Jedes Jahr ist anders

„Jedes Jahr ist anders“; dieser Spruch unseres Winzergesellen begleitet mich nun schon über Jahre, seit wir das Weingut übernommen haben.

Das ist nun 7 Jahre her. Am Beginn war uns vieles neu und manches auch suspekt. Natürlich muss man am Anfang auch Lehrgeld zahlen, aber nun, nach 7 Jahren, denke ich, haben wir unseren Weg gefunden. Das Begleiten von zwischenzeitlich sehr unterschiedlichen Jahrgängen und das Verkosten der sich entwickelnden Weine hat unseren Weinstil geprägt. Es sollten keine gewöhnlichen Weine sein, sondern Weine mit Persönlichkeit.

Anfänglich war ich als Quereinsteiger erstaunt, mit wie viel Technik Wein „gemacht“ wird. Ich will so wenig wie möglich kellertechnisch nachhelfen, sondern auf die Zeit zum Entwickeln der Weine setzen.

Die Weine sollen trocken sein, nicht zu hohe Säurewerte haben und damit sehr bekömmlich sein. Unaufdringlich, ungeschminkt sollen sie sein und „ihren Charakter“ zeigen dürfen. Kellertechnisch heisst dies für uns:

  • Vergärung mit natürlichen Hefen bei den Rotweinen, wenn möglich auch bei den Weißweinen,

  • Langes Hefelager,

  • Biologischer Säureabbau, meist auch bei den Weißweinen,

  • Sanfte Filtration.

Alles mit dem Ziel, hochwertige handgemachte Weine für den unbeschwerten Genuss zu erzeugen.

Von „Hand gemacht“ heißt in diesem Sinne viel Handarbeit: Intensiv die Natur beobachten machen, was zu machen ist, und unterlassen, was zu unterlassen ist. Ursprünglichen Wein zu erzeugen ist mit viel Arbeit und Fleiß verbunden. Mal ist akribische Arbeit gefragt, mal ist es besser, der Natur ihren Lauf zu lassen. Man kann nur mit der Natur und nicht geben sie arbeiten. Man kann vor allem nichts erzwingen.

„Jedes Jahr ist anders“, dass können wir nur bestätigen. Dies ist jedoch auch, was „Wein entstehen und entwickeln lassen“ so faszinierend macht. Aber auch das Verkosten und Genießen der in Koproduktion mit der Natur erzeugten Weine ist jedes Jahr aufs Neue spannend. Vor allem sollen die Weine Spaß machen, Genuss vermitteln und dazu verführen, alleine oder mit Freunden ein weiteres Glas zu genießen.

April 2011

Eribert Benz